Kurze Fragen zu Chassisverhalten

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anphex
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Kurze Fragen zu Chassisverhalten

Beitrag von anphex »

Welche Effekte hat es auf die Wiedergabe, wenn man ein Membran-Chassis - z.B. dem Mittel-/Tiefton-Chassis vom NuPro 3000/4000 - von den Sub-Bassfrequenzen entlastet? Z.B. durch Subwoofer. Vom Bauchgefühl müsste dann ja höhere Lautstärke möglich werden, da mehr "Platz" für die Mittenauslenkung übrig ist, und die Intermodulationsfrequenz müssten sich verringern, oder?

Außerdem: Was sind genau die Vorteile von einem 3-Wege-System im Vergleich zum 2-Wege? Klirrfaktor, Lautstärke, Intermodulationsfrequenzen...?

Edit: Sind Intermodulationsfrequenzen eig. wirklich ohne Extremfälle hörbar oder ist das nur ein Messwert-Monster?
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F.Lauschiplauschi
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Re: Kurze Fragen zu Chassisverhalten

Beitrag von F.Lauschiplauschi »

Man kann z.B. nuPro Aktivlautsprecher durch Einstellung des Systemhochpasses von tieferen Frequenzen befreien, die dann per gleichfrequenter Sub Out Einstellung dem Sub zugewiesen werden.

Damit sinkt die (sonst ggf. nichtlineare) Membranauslenkung der Satelliten und damit die Verzerrungen inkl. Intermodulation. Auch die recht tiefe Übernahmefrequenz der Hochtöner mindert generell Intermodulationsprobleme. Gleichzeitig steht mehr Satellitenverstärkerleistung für den verbliebenen Frequenzbereich zur Verfügung.

Bei leistungsfähigen und hochentwickelten Aktivboxen wie den nuPro treten jedoch erst spät Verzerrungen auf, die durch die (aktivierte) Limiterfunktion außerdem zuverlässig abgefedert werden.

Daher wird man so oder so wenig von Intermodulation oder Partialschwingungen hören. Ohne Subwoofer ist in größeren Räumen bei der 3000er der Pegel nicht exorbitant, die 4000er kann da mehr, die 6000/8000 natürlich erst recht. Für normale Nachbarschaft genügt in aller Regel aber schon die 3000, wenn sie gut positioniert ist. Die 4000 geht halt noch tiefer bzw. hat mehr Reserven.
Wer hohe Pegel hört und zusätzlich die perfekte Mittenauflösung dabei, dem seien sicherlich die 6000/8000 anzuraten, aber die 2-/2,5-Weger wie z.B. auch die passiven nuBox 383/483/683 mit dem großen 22er TMT, der im Gesamtbereich sehr wenig verzerrt, können auch bei hohem Pegel überzeugen, die 683 ist extrem souverän.
nuBox 483, nuPro A-100/AW-350/A-500, div. CanTeuf/AVR/DSP, UMIK-1/REW
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BertNL
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Re: Kurze Fragen zu Chassisverhalten

Beitrag von BertNL »

Bitte bedenke auch daß Dopplerverzerrungen auftreten können wenn die auslenkung des Bass/Mittel Treiber zu groß wird.
Die Mitteltöne könnten sich dan im pitch merkbar ändern, der Doppler Effekt.
Entlastung vom Tiefbass sollte das vorbeugen.

Gruß,

Bert NL
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Re: Kurze Fragen zu Chassisverhalten

Beitrag von rolfi »

anphex hat geschrieben: Di 20. Okt 2020, 13:04 Sind Intermodulationsfrequenzen eig. wirklich ohne Extremfälle hörbar oder ist das nur ein Messwert-Monster?
Mir ist einst ein Fachartikel untergekommen, der zu dem Schluss kam, dass die IM in der Regel nicht hörbar sind, solange der Lautsprecher innerhalb seiner Betriebsgrenzen betrieben wird. Typische Verzerrungen lägen im Bereich von -50dB unter dem Nutzsignal und sind nur dann wahrnehmbar, wenn Messsignale mit zwei Sinusfrequenzen verwendet werden.

Trotzdem ist es so, dass die Entlastung eines Lautsprechers oder eines Chassis in einer Box nur dann wirklich Sinn macht, wenn man die "frei gewordene" Leistung nicht nutzt, um jetzt sehr viel weiter aufzudrehen.
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Re: Kurze Fragen zu Chassisverhalten

Beitrag von engineer »

F.Lauschiplauschi hat geschrieben: Fr 23. Okt 2020, 19:22 Bei leistungsfähigen und hochentwickelten Aktivboxen wie den nuPro treten jedoch erst spät Verzerrungen auf, die durch die (aktivierte) Limiterfunktion außerdem zuverlässig abgefedert werden.
Daher wird man so oder so wenig von Intermodulation oder Partialschwingungen hören.
Ein Limiter verhindert aber noch keine Partialschwingungen und auch keine Intermodulation (was immer als Doppler bezeichnet wird). Er verteilt die Begrenzung nur auf einen größeren Zeitbereich und dies auch nach Vorgabe des Eingriffspegel und seiner Geschwindigkeit. Das schwächt den Effekt zwar ab, aber wenn es musikalisch gut funktionieren soll, muss es ein langsamer Kompressor sein, der über mehre 100ms die Lautstärke herabsetzt, also keine Klangformung betreibt und den Einsatz eines kurzen Limiters unnötig macht.

Will man Intermodulation aktiv unterdrücken, braucht es eine Intermodulationskompensation und die ist vom Lautsprechermodel, dessen Membran-Elongationsverhalten und der aktuellen Aussteuerung abhängig. Das ist dann einiges an Signalverarbeitung nötig, wie man das bei einigen Ultraschall-Radaren appliziert, die mit Membran-basierten Systemen größerer Lautstärke arbeiten. Ob sich das bei klassischen Lautsprechern lohnt, ist eine Frage des Konzepts: Wenn man die so dimensioniert (Chassisvolumen), baut (Mehrwege) UND KAUFT!(Leistung), daß sie den eigenen Raum mit einer nicht ausgelasteten Leistungsreserve beschallen können, ist das Problem so klein, dass sich aufwändige Kompensationsalgorithmen nicht rechnen, weil dazu Reihenmessungen an den Lautsprechern nach ihrer Produktion nötig sind und eine Kalibrierung angewendet werden muss. Ob das in klassischen Lautsprechern verbaut ist, wage ich daher zu bezweifeln. Von einem Monitorhersteller weiß ich definitv, dass er es macht :-)

Was Partialschwingungen angeht, sieht das etwas anders aus: Die sind durchaus deutlicher und dies auch bei geringen Auslastungen. Leider lassen die sich sich per Ansteuerung nochmal schwieriger unterdrücken - wenn überhaupt. Das braucht aufwändige Vorkompensation und ein sehr genaues Modell des Systems mit all seinen Parametern. Habe das mal als Messaufbau realisiert und ihm Rahmen einer Vorstudie auch aufgebaut. Der Hersteller hat es aber nicht in die Serie übernommen, soweit wir wissen. Bei Konsumer-Produkten der Klasse €1000,- abwärts ist das kostentechnik auch bei hohen Stückzahlen nicht abbildbar. Bei Medizingeräten wird das aber gemacht, um Gehäuseschwingungen zu reduzieren, damit sie leist sind. Da führt die "Membran" aber auch ein massives Eigenleben. Auch bei Produkten, die mit großen Elektromotoren arbeiten und deren Eigenschwingungen (mechanische Resonanzen und Getrieberückwirkungen) sehr schnell unnötig Strom und Verschleiß kosten, bzw die Regelung vor unlösbare Aufgaben stellt, wird das zunehmend gemacht. Vor allem bei den 4-rädrigen Produkten, bei denen das Maximale aus den vorgegebenen kWh rausgekitzelt werden soll, ist das ein großes Thema. Und natürlich bei den Produkten zu Lande, zu Wasser und zu Luft, deren Motoren möglichst so leise sein sollen, dass sie der Gegner nicht hört. :evil:
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